Nacktheit aus juristischer Sicht

nach deutschem Recht

 

Hier stelle ich meine persönliche, laienhafte Rechtsauffassung dar. Da ich keinerlei juristische Ausbildung habe, kann und darf der Inhalt dieser Seite nicht als rechtlich verbindlich gewertet werden.
Alle zitierten Gesetzestexte sind in der aktuellen Fassung zitiert vom Juristischen Informationsdienst (dejure.org).
Alle Kommentare dazu stellen lediglich eine Meinungsäußerung dar und können keinesfalls als Rechtsberatung gewertet werden.

Relevant in diesem Zusammenhang sind vor allem Art. 2 GG (freie Entfaltung der Persönlichkeit) und die §§ 118 OWiG (Belästigung der Allgemeinheit) sowie 183 und 183a StGB (Exhibitionismus und Erregung öffentlichen Ärgernisses). Aber auch §176 StGB (Sexueller Missbrauch von Kindern) kommt möglicherweise in Betracht.

Art. 2 GG

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gehört es nach meiner Überzeugung zwingend, dass Kinder und Jugendliche in dem Bewusstsein aufwachsen, dass sie selbst, jedes Kind für sich, einzigartig sind, und dass ihr Körper weder ihnen selbst noch jemand anderem einen Grund gibt, sich zu schämen, wofür auch immer.
Nur wenn man sich nicht seiner selbst oder seines Körpers schämt, auch wenn man nicht den Idealvorstellungen anderer entspricht, kann man zu einem eigenverantwortlichen und selbstbewussten Menschen heranwachsen.
Das kann nur gelingen, wenn Eltern z.B. ihre Kinder nicht bestrafen, wenn die etwas falsch gemacht haben, sondern ihnen erklären, warum es falsch ist, was sie getan haben. Denn was ist wohl besser? Etwas zu tun (oder zu lassen), weil man selbst davon überzeugt ist, dass das die richtige Verhaltensweise ist, oder weil man durch gesellschaftliche Zwänge, die man nicht nachvollziehen kann, keine andere Wahl hat? Es dürfte jedem einleuchten, wenn man die Wahl hat zwischen Zwang und Überzeugung, dass Überzeugung in jedem Fall die bessere Wahl ist. Denn dann (und nur dann!) hat man die Möglichkeit, seine Persönlichkeit unter Beachtung der gültigen gesetzlichen und moralischen Regeln frei zu entfalten.
 
Zwingend erforderlich ist dabei auch, dass Eltern ihren Kindern in jeder Situation vertrauen und sie respektieren, denn nur so behalten Kinder das Urvertrauen, das sie von Natur aus ihren Eltern gegenüber haben, und nur so lernen sie, ihre Eltern zu respektieren.
Dabei muss es auch sein, dass Eltern ihren Kindern beibringen, auch einmal "Nein!" zu sagen und eben nicht immer alles zu tun, was Erwachsene ihnen sagen. Denn nur so entwickelt ein Kind ein gesundes Selbstbewusstsein, ohne das eine freie Entfaltung der Persönlichkeit nicht möglich ist, und die Fähigkeit, selbst respektvoll mit Anderen umzugehen.
 
Eine weitere unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass Kinder ihre Persönlichkeit frei entfalten können, ist Toleranz. Nur wenn Eltern tolerieren, dass ihre Kinder andere Interessen haben, als sie selbst es für ihre Kinder wünschen, dann haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten und zu eigenständigen und selbstbewussten Personen heranzureifen. Der Film "Billy Elliot - I will dance (GB 2000)" ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Billy, der zwölfjährige Sohn eines englischen Arbeiters, sollte nach dem Willen seines Vaters Boxer werden. Das wollte er aber überhaupt nicht. Statt dessen wollte Billy viel lieber Tänzer werden.
Mit den verschiedensten Tricks hat er es geschafft, heimlich Tanzunterricht zu nehmen. Und sein Vater, der das vorher nie für möglich gehalten hatte, war am Ende stolz auf ihn.
Auch wenn es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt, die aber so oder ähnlich immer wieder beobachtet werden kann, zeigt dieses Beispiel, dass es wesentlich besser für die Entwicklung eines Kindes ist, wenn es tun darf was es will, so lange das keinen Verstoß gegen geltendes Recht bedeutet.
Und wer als Kind Toleranz erfahren hat, der wird als Jugendlicher und später als Erwachsener selbst Anderen gegenüber tolerant sein.
Wer aber in der falschen Vorstellung erzogen wurde, dass die Eltern immer Recht haben, und dass alles, was irgendwie mit Nacktheit oder Sex in einem Zusammenhang steht oder auch nur stehen könnte, tabu ist, und dass es grob ungehörig, sündig oder per Gesetz verboten sei, nackt zu sein, der wird nie die Möglichkeit haben, sein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, das ein wesentlicher Teil der freien Entfaltung der Persönlichkeit ist, in irgendeiner Form wahrzunehmen.

§118 OWiG - Belästigung der Allgemeinheit

(1) Ordnungswidrig handelt, wer eine grob ungehörige Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann.

So weit der Gesetzestext
Absatz 1 lässt dabei leider völlig offen, was tatsächlich grob ungehörig ist, oder welche Handlung geeignet ist, die genannten Wirkungen zu erzielen. Damit hat der Gesetzgeber es versäumt, für Rechtssicherheit zu sorgen, was unweigerlich dazu führt, dass die Gerichte in gleich gearteten Fällen durchaus unterschiedlich urteilen können, abhängig nur von der Rechtsauffassung bzw. den Moralvorstellungen des jeweils entscheidenden Richters.
Da es sich beim OWiG (Ordnungswidrigkeitengesetz) jedoch um Bundesrecht handelt und deshalb eine bundesweit wenigstens annähernd gleiche Auslegung gewährleistet sein müsste, ist dieses Ausmaß der Rechtsunsicherheit meiner Ansicht nach völlig inakzeptabel. Es bleibt nämlich jedem Einzelnen überlassen, ob er z.B. den Aufenthalt eines Nackten in der Öffentlichkeit (beim baden, beim wandern durch den Wald, u.s.w.) als grob ungehörig oder als Belästigung oder Gefährdung der Allgemeinheit oder die öffentliche Ordnung störend betrachtet oder nicht.
Nach allgemeiner und aktueller Rechtsprechung, soweit sie mir bekannt ist, kann eine Handlung nur dann als grob ungehörig bezeichnet werden, wenn sie in einem Gesetz ausdrücklich beschrieben und als strafbar oder ordnungswidrig bezeichnet wird. So kann es z.B. als grob ungehörig bezeichnet werden, sich innerhalb geschlossener Ortschaften dort nackt aufzuhalten, wo man von Teilnehmern am Straßenverkehr gesehen werden kann. In einem solchen Fall kann nämlich davon ausgegangen werden, dass ein Verkehrsteilnehmer (z.B. ein Autofahrer) durch den Anblick eines Nackten so stark abgelenkt wird, dass er dadurch einen Unfall verursacht. Damit wäre ein Verhalten gegeben, das die Bedingungen des §1 StVO erfüllt, weshalb §118 OWiG schon nicht mehr in Betracht käme. Sich außerhalb geschlossener Ortschaften in freier Natur nackt aufzuhalten, kann jedoch nicht als grob ungehörig bezeichnet und deshalb auch nicht als Verstoß gegen §118 OWiG verfolgt werden.
 
Des weiteren halte ich für bedenklich, dass durch die Formulierung "...eine grob ungehörige Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen..." nicht eine Tat als ordnungswidrig bezeichnet wird, sondern die Möglichkeit, eine nicht definierte Situation herbeizuführen. Was nämlich der Eine problemlos toleriert, das wird von jemand anderem gerade noch hingenommen, während ein Dritter das als belästigend kritisieren und zur Anzeige bringen würde. Und das gilt nicht nur im Hinblick auf Personen, von denen man z.B. nackt bei einem Waldspaziergang gesehen wird, sondern auch bezogen auf Richter, die in einem solchen Fall zu entscheiden haben. Da aber jeder Mensch, somit auch jeder Richter, laut Grundgesetz nicht nur eine eigene Meinung haben, sondern diese auch äußern darf, steht es jedem Richter frei, in einem solchen Fall für den Beklagten zu urteilen, während in einem vergleichbaren Fall ein anderer Richter gegen den Beklagten urteilt. Damit ist also nach meiner laienhaften Rechtsauffassung der Willkür Tür und Tor geöffnet, was in krassem Widerspruch zu Art. 3 GG steht, der bestimmt: "(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." Denn wenn alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, dann kann eine bestimmte Tat nicht dann verurteilt werden, wenn der Eine sie begeht, und dann nicht verurteilt werden, wenn jemand Anderer das gleiche tut.
Außerdem verlangt Art. 103 (2) GG, dass eine Tat in einem Gesetz als strafbar bezeichnet wird, bevor sie überhaupt bestraft werden kann. Und analog dazu nennt § 3 OWiG die selbe Bedingung für eine Ordnungswidrigkeit. Somit gilt diese Regel nicht nur für Straftaten, sondern auch für Ordnungswidrigkeiten. Damit kann also nur eine bestimmte Tat (egal ob Straftat oder Ordnungswidrigkeit) geahndet werden, nicht jedoch die Möglichkeit, eine unbestimmte Situation herbeizuführen, indem man z.B., wie §118 OWiG es formuliert, "...eine grob ungehörige Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen..."
Es scheint mir sogar der Fall zu sein, dass insbesondere im Zusammenhang mit öffentlicher Nacktheit mit zweierlei Maß gemessen wird, was eindeutig als ungerecht zu bezeichnen ist. Dabei ist das allerdings eher ein moralisches als ein juristisches Problem. Wenn z.B. ein Vierzehnjähriger Bauernsohn, der das inzwischen durchaus gelernt hat, den Mähdrescher aus der Scheune heraus auf den Hof fährt, dann darf er das, denn er befindet sich in einem abgesperrten Gelände und benötigt deshalb keinen Führerschein, um motorisierte Fahrzeuge fahren zu dürfen. Wenn er dabei von der Straße aus gesehen wird, dann stört das niemanden, eine Anzeige kommt also nicht in Betracht. Wenn ich aber nur den Müll in die Mülltonne bringen würde, dann wäre mir, wenn ich das nackt tun würde, eine Anzeige gemäß §118 OWiG sicher, selbst wenn ich dabei nur zufällig von einem Nachbarn gesehen werde, den ich selbst nicht gesehen habe, ohne dass mich sonst jemand hat sehen können.
Wer also Fahrzeuge auf dem eigenen Grundstück fährt, der darf das, denn es ist durch kein Gesetz verboten. Wer aber auf dem eigenen Grundstück nackt ist, der darf das nicht, denn es ist durch kein Gesetz ausdrücklich erlaubt, und §118 OWiG kann so ausgelegt werden, als sei es verboten.
Insgesamt erscheint mir also §118 OWiG verfassungsrechtlich gesehen höchst zweifelhaft.
 
Michael G., der auch Mitglied in meinem Forum ist, hatte einmal einen sehr guten Beitrag zu §118 OWiG in dem Blog "Nackte Freiheit" veröffentlicht. Da dieser Blog aber inzwischen aus dem Netz genommen wurde, habe ich ihm angeboten, den Beitrag in meinem Forum zu posten. Hier kann er jetzt nachgelesen werden.
 
Sehr häufig wird auch davon ausgegangen, §118 OWiG sei nur im Zusammenhang mit öffentlicher Nacktheit anwendbar. Eine solche Einschränkung ist jedoch unzutreffend. Als Beispiel möchte ich einen Vorfall nennen, der sich während der Feier zur Goldenen Hochzeit meiner Eltern im Sommer 2009 ereignet hat. Der Gottesdienst im Rahmen dieser Feier, zu dem jeder eingeladen war, wurde mehrfach von einem offensichtlich betrunkenen Besucher durch Zwischenrufe gestört. Sogar mehrfache Aufforderungen durch den Pfarrer, diese Zwischenrufe zu unterlassen, blieben erfolglos.
Nach meiner Überzeugung war das Verhalten dieses Betrunkenen ein Verstoß gegen §118 OWiG, denn

Nach dem Gottesdienst hat zwar niemand Anzeige gegen diesen Betrunkenen erstattet, aber einverstanden mit seinem Verhalten war auch niemand. Jeder, dessen Meinung ich gehört hatte, fand dieses Verhalten zweifelsfrei inakzeptabel.

§176 StGB - Sexueller Missbrauch von Kindern

(1) Wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen läßt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer ein Kind dazu bestimmt, daß es sexuelle Handlungen an einem Dritten vornimmt oder von einem Dritten an sich vornehmen läßt.

(3) In besonders schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr zu erkennen.

(4) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

  1. sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt,
  2. ein Kind dazu bestimmt, dass es sexuelle Handlungen vornimmt, soweit die Tat nicht nach Absatz 1 oder Absatz 2 mit Strafe bedroht ist,
  3. auf ein Kind mittels Schriften (§ 11 Absatz 3) oder mittels Informations- oder Kommunikationstechnologie einwirkt, um
    a) das Kind zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einer dritten Person vornehmen oder von dem Täter oder einer dritten Person an sich vornehmen lassen soll, oder
    b) um eine Tat nach § 184b Absatz 1 Nummer 3 oder nach § 184b Absatz 3 zu begehen, oder
  4. auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts, durch Zugänglichmachen pornographischer Inhalte mittels Informations- und Kommunikationstechnologie oder durch entsprechende Reden einwirkt.

(5) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer ein Kind für eine Tat nach den Absätzen 1 bis 4 anbietet oder nachzuweisen verspricht oder wer sich mit einem anderen zu einer solchen Tat verabredet.

(6) Der Versuch ist strafbar; dies gilt nicht für Taten nach Absatz 4 Nr. 3 und 4 und Absatz 5.

Auch dieser Paragraph ist schon oft im Zusammenhang mit Nudismus oder Naturismus genannt worden, er hat jedoch in einem solchen Zusammenhang absolut keine Relevanz. Einem Nudisten oder Naturisten würde es niemals einfallen, eine Straftat nach § 176 StGB zu begehen oder auch nur zu versuchen. Denn das stände im eklatanten Widerspruch zu ihren Moralvorstellungen. Deshalb achten Nudisten oder Naturisten immer streng darauf, dass sie, wenn sie sexuell handeln, dies in privatem Rahmen tun, ohne dabei von Kindern beobachtet werden zu können.

§183 StGB - Exhibitionismus

(1) Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

(3) Das Gericht kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe auch dann zur Bewährung aussetzen, wenn zu erwarten ist, dass der Täter erst nach einer längeren Heilbehandlung keine exhibitionistischen Handlungen mehr vornehmen wird.

(4) Absatz 3 gilt auch, wenn ein Mann oder eine Frau wegen einer exhibitionistischen Handlung
1. nach einer anderen Vorschrift, die im Höchstmaß Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe androht, oder
2. nach § 174 Abs. 2 Nr. 1 oder § 176 Abs. 4 Nr. 1

bestraft wird.

So weit auch hier wieder der Gesetzestext.
Leider hat es der Gesetzgeber hier versäumt zu definieren, was unter exhibitionistischen Handlungen zu verstehen ist. Dabei hat er es sogar versäumt, in Ermangelung einer eigenen Definition auf die medizinische Definition des Exhibitionismus zu verweisen.
Medizinisch gesehen ist Exhibitionismus laut Deutschem Institut für Medizinische Dokumentation und Information "Die wiederkehrende oder anhaltende Neigung, die eigenen Genitalien vor meist gegengeschlechtlichen Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen, ohne zu einem näheren Kontakt aufzufordern oder diesen zu wünschen. Meist wird das Zeigen von sexueller Erregung begleitet und im allgemeinen kommt es zu nachfolgender Masturbation."
Auch hier ist den verschiedensten Auslegungen Tür und Tor geöffnet. Unmöglich ist dabei eigentlich nur die Auslegung, jemand, der sich im Rahmen nudistischer oder naturistischer Tätigkeit nackt in der Öffentlichkeit aufhält, ohne sich dabei in provozierender Form Anderen zu zeigen, sei ein Exhibitionist. Denn wenn man sich als Nudist oder Naturist in der Öffentlichkeit entblößt, dann nicht um sich Anderen zu zeigen und nicht vor meist gegengeschlechtlichen Fremden, sondern vor Fremden beiderlei Geschlechtes. Und eine sexuelle Erregung ist dabei in aller Regel nicht beabsichtigt und findet auch nicht statt, eine Masturbation schon gar nicht.
 
Des weiteren sollte angemerkt werden, dass die Formulierung in Abs. 1 "Ein Mann, der ... belästigt," nach der Rechtsauffassung des Autors wenigstens verfassungsrechtlich zweifelhaft, wenn nicht unhaltbar erscheint, denn hier könnte es sich um einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot des Art. 3 (2) Satz 1 handeln. Dort heißt es nämlich absolut eindeutig: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
Wenn aber Männer und Frauen gleiche Rechte haben, dann können sie auch in gleichem Umfang strafbar handeln und dementsprechend bestraft werden. § 183 StGB bezeichnet in Abs. 1 jedoch eine exhibitionistische Handlung nur dann als strafbar, wenn sie von einem Mann begangen wird. Damit liegt in §183 (1) StGB nach Überzeugung des Autors ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot des Art. 3 GG vor, der einer eingehenden verfassungsrechtlichen Prüfung aller Voraussicht nach nicht standhalten wird.

§183a StGB - Erregung öffentlichen Ärgernisses

Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 183 mit Strafe bedroht ist.

Auch bei diesem Paragraph, der nur aus dem einen Satz besteht, fehlt es an wenigstens zwei Stellen an einer für die Rechtssicherheit unbedingt erforderlichen Definition der Begriffe. Weder was "sexuelle Handlungen" sind, noch was als "Ärgernis" zu verstehen ist, wird hier klar genannt. Damit sind auch hier die verschiedensten Auslegungen möglich. Aber auch hier ist es unmöglich, die einfache Nacktheit in der Öffentlichkeit, wie sie bei Nudisten oder Naturisten regelmäßig zu beobachten ist, als sexuelle Handlung zu werten.

§ 184b - Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften

(1) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

  1. eine kinderpornographische Schrift verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht; kinderpornographisch ist eine pornographische Schrift (§ 11 Absatz 3), wenn sie zum Gegenstand hat:
    a) sexuelle Handlungen von, an oder vor einer Person unter vierzehn Jahren (Kind),
    b) die Wiedergabe eines ganz oder teilweise unbekleideten Kindes in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung oder
    c) die sexuell aufreizende Wiedergabe der unbekleideten Genitalien oder des unbekleideten Gesäßes eines Kindes,
  2. es unternimmt, einer anderen Person den Besitz an einer kinderpornographischen Schrift, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergibt, zu verschaffen,
  3. eine kinderpornographische Schrift, die ein tatsächliches Geschehen wiedergibt, herstellt oder
  4. eine kinderpornographische Schrift herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, bewirbt oder es unternimmt, diese Schrift ein- oder auszuführen, um sie oder aus ihr gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder 2 oder des § 184d Absatz 1 Satz 1 zu verwenden oder einer anderen Person eine solche Verwendung zu ermöglichen, soweit die Tat nicht nach Nummer 3 mit Strafe bedroht ist.

(2) Handelt der Täter in den Fällen des Absatzes 1 gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat, und gibt die Schrift in den Fällen des Absatzes 1 Nummer 1, 2 und 4 ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wieder, so ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren zu erkennen.

(3) Wer es unternimmt, sich den Besitz an einer kinderpornographischen Schrift, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergibt, zu verschaffen, oder wer eine solche Schrift besitzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(4) Der Versuch ist strafbar; dies gilt nicht für Taten nach Absatz 1 Nummer 2 und 4 sowie Absatz 3.

(5) Absatz 1 Nummer 2 und Absatz 3 gelten nicht für Handlungen, die ausschließlich der rechtmäßigen Erfüllung von Folgendem dienen:

  1. staatliche Aufgaben,
  2. Aufgaben, die sich aus Vereinbarungen mit einer zuständigen staatlichen Stelle ergeben, oder
  3. dienstliche oder berufliche Pflichten.

(6) In den Fällen des Absatzes 2 ist § 73d anzuwenden. Gegenstände, auf die sich eine Straftat nach Absatz 1 Nummer 2 oder 3 oder Absatz 3 bezieht, werden eingezogen. § 74a ist anzuwenden.

Gut ist bei diesem Paragrafen sicher, dass dort jeglicher Umgang mit kinderpornografischen Schriften unter Strafe gestellt werden soll. Sehr kritisch zu sehen ist dabei aber, dass nur die Begriffe "Kinder" (Person unter vierzehn Jahren) und "Schriften" (§ 11 Absatz 3) definiert werden, was aber "pornografisch" sein soll, dazu fehlt jegliche Definition. Dadurch bleibt nur die Möglichkeit, eine allgemein gebräuchliche Definition von Pornografie zu verwenden, wie ich das auch auf meiner Seite zum Thema "Pornografie" getan habe, oder die Definition des BGH zu verwenden.
 
Zitat:
"Als pornographisch ist eine Darstellung anzusehen, wenn sie unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise in den Vordergrund rückt und ihre Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend auf das lüsterne Interesse des Betrachters an sexuellen Dingen abzielt. (BGH St 23,44; 37,55)"
 
Von dieser Definition ausgehend kann aber festgestellt werden, dass Naturisten sich gerade dadurch auszeichnen, dass sie keinerlei Interesse an Pornografie, insbesondere an Kinderpornografie haben, und dass deshalb bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, dass sie in diesem Zusammenhang straffällig werden, besonders gering ist.
Sehr kritisch sind aber auch die Begriffe "unnatürlich geschlechtsbetonte Körperhaltung" und "sexuell aufreizende Wiedergabe der unbekleideten Genitalien" zu sehen. Es liegt nämlich in der Natur der Sache, dass die Frage, welche Körperhaltung "unnatürlich geschlechtsbetont" sein soll, oder welche Wiedergabe der unbekleideten Genitalien als "sexuell aufreizend" gesehen wird, nur aus der Sicht des Betrachters beantwortet werden kann. Damit, dass diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird aber eine erhebliche Rechtsunsicherheit geschaffen, die so nicht hinnehmbar erscheint.

§201a StGB - Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen

Gegenüberstellung alte (links) und neue Fassung

(1) Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine durch eine Tat nach Absatz 1 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.

(3) Wer eine befugt hergestellte Bildaufnahme von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, wissentlich unbefugt einem Dritten zugänglich macht und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

  1. von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt eine Bildaufnahme herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,

  2. eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,

  3. eine durch eine Tat nach den Nummern 1 oder 2 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einer dritten Person zugänglich macht oder

  4. eine befugt hergestellte Bildaufnahme der in den Nummern 1 oder 2 bezeichneten Art wissentlich unbefugt einer dritten Person zugänglich macht und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt von einer anderen Person eine Bildaufnahme, die geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, einer dritten Person zugänglich macht.

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer anderen Person unter achtzehn Jahren zum Gegenstand hat,

  1. herstellt oder anbietet, um sie einer dritten Person gegen Entgelt zu verschaffen, oder

  2. sich oder einer dritten Person gegen Entgelt verschafft.

(4) Absatz 1 Nummer 2, auch in Verbindung mit Absatz 1 Nummer 3 oder Nummer 4, Absatz 2 und 3 gelten nicht für Handlungen, die in Wahrnehmung überwiegender berechtigter Interessen erfolgen, namentlich der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dienen.

(5) Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden. § 74a ist anzuwenden.

Wie sich unschwer erkennen lässt, ist die neue Fassung dieses Paragrafen wesentlich umfangreicher, dabei jedoch keinesfalls besser. Nicht nur, dass das Strafmaß von einem auf zwei Jahre Freiheitsstrafe (oder Geldstrafe) glatt verdoppelt wurde, auch die Tatbestände, die hier genannt werden, sind wesentlich umfangreicher. So ist aus Abs. 1 jetzt Abs. 1, Nr. 1 geworden, während mit Nr. 2 bis 4 drei weitere Tatbestände in diesem Zusammenhang eingeführt wurden. Und Abs. 2 weitet das auf Aufnahmen aus, die nicht nur "in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum", sondern an beliebigen Orten, also auch z.B. auf einem Volksfest, gemacht wurden. Außerdem stellt Abs. 2 nicht nur die Weitergabe solcher Aufnahmen unter Strafe, sondern auch das bloße Vorzeigen.
So weit, so gut. Mit Abs. 1 und 2 der neuen Fassung kann man ja noch einverstanden sein. Aber die Änderung von Abs. 3 (alt) zu Abs. 3 - 5 (neu) ist wohl äußerst kritisch zu sehen.
Da wird nämlich nicht mehr der Missbrauch von legal aufgenommenen bestimmten Bildern unter Strafe gestellt, sondern die Herstellung und der Kauf oder Verkauf von bestimmten anderen Bildern wird (ebenfalls unter Verdopplung des Strafmaßes) grundsätzlich (egal ob sie befugt oder unbefugt aufgenommen wurden, mit den in Abs. 4 genannten Ausnahmen) unter Strafe gestellt. Dabei ist in Abs. 3 nicht hinreichend bestimmt, welche Bilder verboten sein sollen, und Abs. 4 nennt sehr unspezifisch eine viel zu kurze Liste an Ausnahmen. Damit gilt nach meinem laienhaften Rechtsverständnis: Alles klar - keiner weiß bescheid!

Eine solche Ungewissheit halte ich jedoch für inakzeptabel und verfassungsrechtlich wenigstens fragwürdig.
Was ist denn in Abs. 4 mit "Handlungen, die in Wahrnehmung überwiegender berechtigter Interessen erfolgen" gemeint? Was sind vor allem "überwiegend berechtigte Interessen" in diesem Zusammenhang? Und was sind hier "ähnliche Zwecke"? Das sind alles Fragen, die unbedingt abschließend geklärt werden müssen, bevor hier jemals wieder von Rechtssicherheit die Rede sein kann.
Diesen Zustand als sehr unbefriedigend zu bezeichnen, halte ich für stark untertrieben.

Mir drängt sich auch der Verdacht auf, dass hier der Fall Edathy/Azov Films zum Anlass genommen wurde, eine bis dahin legale Handlungsweise, durch die ein bis dahin hoch angesehenes Mitglied des Bundestages zufällig aufgefallen ist, im Eilverfahren zu kriminalisieren. Der Begriff der Nacktheit tauchte bisher nämlich im deutschen Strafrecht nicht auf. Und so war es bisher legal, wenn es sich bei einer "anderen Person" im Sinne des Abs. 3 (alt) um ein nacktes Kind gehandelt hat, dessen Eltern mit der Aufnahme einverstanden waren. Und es waren ja genau solche Aufnahmen einzelner oder mehrerer Kinder, um die es im Fall Edathy/Azov Films geht.
Dabei wurde meiner Überzeugung nach "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet", denn §201a Abs. 3 stellt erst mal die Herstellung, den Kauf und den Verkauf aller Bilder unter Strafe, die nackte Säuglinge, Kinder oder Jugendliche zeigen. Nehmen wir doch beispielsweise mal an, der Hersteller eines Shampoos beauftragt eine Werbeagentur, einen TV-Spot zu drehen, in dem es um die Kernaussage geht, dass dieses Shampoo besonders für Säuglinge und Kleinkinder geeignet ist. Eine geeignete Szene, um das bildlich darzustellen, käme einem da sofort in den Sinn: Eine Mutter badet ihren Säugling. Aber halt! Sie darf das nicht so tun, wie sie es gewohnt ist, nämlich indem sie ihr Kind vollständig entkleidet, um es dann zu baden, sondern sie muss ihm extra für diese Aufnahme wenigstens ein Höschen anziehen, sonst macht sie, diese Werbeagentur und die Herstellerfirma sich eventuell strafbar im Sinne von §201 Abs. 3 StGB, denn hier fehlt es dem Abs. 4 erheblich an Klarheit darüber, welche Ausnahmen zulässig sein sollen.
Solche Aufnahmen sollten aber nach meinem Verständnis eindeutig legal sein bzw. bleiben. Denn einen Säugling nicht nackt fotografieren oder filmen zu dürfen, egal in welcher alltäglichen Situation, ist nach meiner Überzeugung ethisch nicht vertretbar. Dabei ist der Säugling, der gebadet wird, nur ein Beispiel von vielen.

Streitfrage im Zusammenhang mit § 118 OWiG (siehe oben!):
Wo befindet man sich "in der Öffentlichkeit" bzw. "In der Allgemeinheit"?

Diese Frage ist je nach Situation unterschiedlich zu bewerten. Deshalb habe ich dazu in meinem Forum ein eigenes Thema eröffnet. Zusammenfassend ist jedoch zu sagen, dass es nach deutschem Recht nicht strafbar ist, nackt zu sein, so lange damit keine sexuellen oder exhibitionistischen Handlungen oder Absichten verbunden sind.
 
Wenn man sich in einer Privatwohnung aufhält, dann gibt es, so lange der Wohnungsinhaber damit einverstanden ist, weder im Strafrecht noch im Ordnungswidrigkeitenrecht eine Bestimmung, die es verbietet, sich dort nackt aufzuhalten. Die Frage, ob man sich dabei in der eigenen Wohnung oder der Wohnung eines Anderen aufhält, ist in diesem Zusammenhang irrelevant.
 
Der Balkon und die Terrasse gehören rechtlich gesehen zwar zur Wohnung, da sie aber in vielen Fällen durch die Allgemeinheit einsehbar sind, ist hier die Rechtslage etwas schwieriger. Ist der Balkon oder die Terrasse nur von wenigen Nachbarn einsehbar, die alle den nackten Aufenthalt dort tolerieren oder sogar akzeptieren, dann ist nach dem Motto "Wo kein Kläger ist, da ist kein Richter" nichts dagegen einzuwenden.
Wenn aber die Terrasse oder der Balkon von Nachbarn einsehbar ist, die sich daran stören, jemanden nackt zu sehen, und sei es nur bei etwas so unverfänglichem wie einem Sonnenbad, dann kommt es sehr darauf an, wie man damit umgeht. Nach Möglichkeit sollte man, bevor man sich zum ersten Mal nackt auf dem Balkon oder der Terrasse aufhält, das Gespräch mit den Nachbarn suchen und darauf hinweisen, dass man als Nudist oder Naturist gerne nackt ist und damit keinerlei sexuelle oder sonst irgendwie anstößige Absichten verbindet. In den meisten Fällen führt das dazu, dass die Nachbarn die Nacktheit tolerieren und sich dadurch nicht weiter belästigt fühlen.
Hat man jedoch Nachbarn, die zu dieser Toleranz aus welchen Gründen auch immer nicht bereit oder in der Lage sind, dann besteht leider keine andere Möglichkeit, als ihnen die Sicht auf den Balkon bzw. die Terrasse durch geeignete Maßnahmen zu versperren. Falls auch das nicht möglich ist, hat man leider keine Wahl und muss den Balkon bzw. die Terrasse im Hinblick auf Nacktheit zum Sperrgebiet erklären.
 
Das eigene Grundstück gehört rechtlich gesehen nicht zur Wohnung, dort gelten also andere Regeln als in der Wohnung. Wenn man sich auf Bereichen des Grundstücks aufhält, die nur von Nachbarn gesehen werden können, dann ist damit genauso umzugehen wie beim nackten Aufenthalt auf dem Balkon oder der Terrasse. Dort, wo jedoch das Grundstück von der Straße aus oder von einem anderen öffentlichen Weg aus, also durch die Allgemeinheit einsehbar ist, befindet man sich rechtlich gesehen in der Öffentlichkeit und muss deshalb sehr vorsichtig sein, was den nackten Aufenthalt auf dem Grundstück betrifft. In aller Regel empfiehlt es sich, solche Bereiche des Grundstücks nur bekleidet zu betreten, denn der nackte Aufenthalt dort kann durchaus als Belästigung der Allgemeinheit gewertet werden.
 
Außerhalb eines Privatgrundstücks befindet man sich zweifelsfrei in der Öffentlichkeit.
Das allerdings genügt nicht, um gemäß § 118 OWiG die Allgemeinheit zu belästigen, indem man z.B. nackt ist. Hier ist die Frage entscheidend, wo und evtl. wann man nackt ist. Denn wenn man mitten am Tag in einer geschlossenen Ortschaft nackt ist, dann kann man davon ausgehen, dass einem eine Vielzahl an Passanten begegnet oder wenigstens begegnen könnte, die ein solches Verhalten als inakzeptabel und durchaus belästigend empfinden und deshalb anzeigen würden.
Ist man aber z.B. im Wald oder sonst in freiem Gelände, deutlich abseits von geschlossenen Ortschaften oder viel befahrenen Straßen, insbesondere in einem Naturschutzgebiet, was ja auch ein öffentlich zugängliches Gelände ist, und ist man dort allein oder in einer Gruppe nackt, dann wäre das Kriterium der Allgemeinheit, das in § 118 OWiG genannt wird, in aller Regel nicht erfüllt. Somit wäre ein solches Verhalten nicht Ordnungswidrig. Es genügt nämlich für die Erfüllung dieses Kriteriums eben nicht, wenn man bei seiner nackten Wanderung nur zwei oder drei Spaziergängern begegnet, die sich daran stören. Diese zwei oder drei Spaziergänger können nämlich mit ihrer Meinung, ein solches Verhalten sei grob ungehörig und belästigend, auch relativ allein sein und somit eben nicht stellvertretend für die Allgemeinheit stehen.
Im Internet kann man sehr leicht den Eindruck gewinnen, wenn man Seiten aufschlägt, in denen über nackte Wanderungen berichtet wird, dass in aller Regel die Nacktheit in diesem Zusammenhang allgemein wenigstens toleriert, wenn nicht sogar sehr positiv empfunden wird. Es gibt dazu auch Umfragen, die zeigen, dass eine breite Mehrheit nichts gegen Nacktwanderungen einzuwenden hat, während nur eine Minderheit davon ausgeht, dass "man so etwas nicht tut".
Das wiederum bedeutet, dass alle drei Kriterien des § 118 OWiG nicht erfüllt sind. Nackte Wanderungen im Wald oder sonst in relativ menschenleerem Gelände sind

Nacktwanderungen oder nackte Fahrradtouren u. a. sind demnach also nicht ordnungswidrig, so lange man sich dabei in freiem Gelände bewegt, genauso wenig wie der nackte Aufenthalt in der eigenen Wohnung.
Wird jemand, der nackt wandert oder Fahrrad fährt, deshalb wegen eines Verstoßes gegen § 118 OWiG verurteilt, dann urteilt der Richter evtl. auch unter Missachtung oder in  Unkenntnis der Radbruchschen Formel (siehe Wikipedia). Diese besagt, kurz gefasst, dass Gerechtigkeit im Zweifel höher zu bewerten sei als geltendes Recht. Damit wird es dann zu einer ethisch-moralischen Frage, ob das Recht des Einzelnen, wenn er einen vermeintlichen Verstoß gegen § 118 OWiG anzeigt, höher zu werten ist als das eines anderen Einzelnen, der (oder das Recht der Gruppe, die) da wandernd oder Fahrrad fahrend unterwegs ist.
 
Abgesehen davon habe ich aber nach meiner laienhaften Rechtsauffassung erhebliche Zweifel daran, ob § 118 OWiG mit dem Grundgesetz überhaupt vereinbar ist.
Art. 103 Abs. 2 GG, der auch als Bestimmtheitsgebot bekannt ist, verlangt nämlich eindeutig, dass eine Straftat in einem Gesetz beschrieben und als strafbar bezeichnet werden muss, bevor sie überhaupt geahndet werden kann. Sich nackt in der Öffentlichkeit aufzuhalten, jedenfalls ohne dass dieser Aufenthalt mit sexuellen Handlungen in Verbindung steht, wird aber in keinem Gesetz erwähnt, und ist demnach erlaubt.
Darüber hinaus erscheint § 118 OWiG unvereinbar mit dem Bestimmtheitsgebot des § 3 OWiG, was allein schon als Grund dafür genügt, dass er nach meiner Überzeugung eindeutig verfassungswidrig ist.
 
Nach meinem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit sowie von Moral und Ethik hat ein Einzelner nicht das Recht, gegen ein derartiges Handeln Anderer, die das allein oder in einer Gruppe tun, gerichtlich vorzugehen.
Man mag also durchaus mit einer solchen Handlungsweise nicht einverstanden sein oder nicht bereit sein, selbst so zu handeln, aber wenn Andere so handeln, dann hat man zu akzeptieren, dass sie das Recht dazu haben, das zu tun.