Kinder bis 5 Jahre Kinder 6 - 11 Jahre Jugendliche (12 - 19 Jahre) Erwachsene
zu Hause beim Camping / baden Rad fahren / wandern usw. Die lieben Nachbarn

Kinder im Alter von 6 - 11 Jahren

Es ist wichtig, dass die Eltern offen und unbefangen mit ihren Kindern, egal wie alt die sind, umgehen und kein Thema, zu dem die Kinder Fragen stellen, tabuisieren. Dabei ist die sexuelle Aufklärung genau das Thema, was zwar am häufigsten tabuisiert wird, aber unbedingt offen und ohne Scham besprochen werden muss.
Wenn Kinder nämlich den Eindruck gewinnen, dass es unangemessen, unanständig oder ungehörig ist, über solche Dinge wie Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft oder Verhütung zu sprechen, dann werden sie später alles, was damit zusammen hängt, als unanständig empfinden. Das wäre jedoch fatal, denn dadurch würde ein wesentlicher Teil der Entwicklung dieser Kinder zu selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Jugendlichen und später auch Erwachsenen verhindert.
Das Sprichwort "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr." bringt die Sache auf den Punkt. Wenn Kinder keine Gelegenheit bekommen, frei und unbefangen mit ihren Eltern oder mit anderen Erwachsenen ihres Vertrauens über Themen wie Nacktheit, Sex oder Schwangerschaft zu reden, dann wird es ihnen später, in ihrer Jugend, sehr schwer fallen, und wenn sie erwachsen sind, fast unmöglich sein, einen natürlichen Umgang mit solchen Themen zu finden. Wenn die Eltern aber offen und vertrauensvoll mit ihren Kindern umgehen, wird es ihnen schnell klar, dass die Kinder ein natürliches Interesse daran haben zu lernen, wie "das mit dem Kinder kriegen" funktioniert. Und nicht nur das, es gibt eine fast unerschöpfliche Bandbreite an Themen, an denen Kinder interessiert sind. Das ist aber nicht deshalb so, weil sie vielleicht neugierig wären, sondern weil sie damit ihre natürliche Aufgabe versuchen wahrzunehmen, dass sie Dinge lernen, die sie in ihrem späteren Leben können bzw. wissen müssen.

Beispiel eines Sohnes - Adam mit seinen Eltern beim Picknick

Adam und seine Eltern bei einem Picknick
Foto © Shame Breakers

Sehr hilfreich ist es in diesem Zusammenhang, wenn die Eltern und die Kinder häufig wenn nicht immer, sofern sie keinen Besuch in der Wohnung haben, dort nackt sind, ohne dass das mit Sex in irgendeinem Zusammenhang steht, wie z.B. auf dem Bild links (Quelle: Internet).
Die Geschichte von Adam, "Das Beispiel eines Sohnes" (siehe Bild rechts), das man auf der englischsprachigen Seite "Shame Breakers" nachlesen konnte (leider ist diese Seite zwischenzeitlich aus dem Netz genommen worden), zeigt deutlich, dass es für beide Seiten, Eltern wie Kinder, nur von Vorteil ist, wenn man der Nacktheit im familiären Rahmen offen gegenüber steht. Wenn man sich gegenseitig vertraut, was übrigens eine grundlegende Voraussetzung ist für das Zusammenleben in jeder Gemeinschaft, also auch in einer Familie, dann gibt es keinen Grund dafür, sich zu schämen, wenn man sich gegenseitig nackt sieht. Eltern, die mit ihrer eigenen Nacktheit unbefangen umgehen, werden sehr bald feststellen, dass ihre Kinder ebenfalls kein Problem damit haben.
 
Wenn Kinder im Alter von 5 oder 6 Jahren zum ersten Mal nach einer Badehose oder einem Badeanzug verlangen, weil die anderen Kinder auch bekleidet baden, dann hat das nichts damit zu tun, dass sie sich ihrer Nacktheit bewusst sind und sich deshalb schämen. Dazu sind sie nämlich erst mit Einsetzen der Pubertät in der Lage. Viel mehr ist ihre Scham darin begründet, dass sie etwas nicht haben, was die anderen Kinder inzwischen alle haben. Für sie ist Nacktheit nämlich nur einer von vielen möglichen und gleichwertigen Bekleidungszuständen. Und sie möchten nicht von anderen Kindern ausgelacht werden, weil sie anders sind als alle anderen. Es geschieht also auf Grund von Sozialscham, auch wenn das diesen Kindern so nicht bewusst ist, wenn sie dort nach einer Badehose verlangen, wo alle anderen Kinder bekleidet baden. Scham im Zusammenhang mit Nacktheit hat damit nichts zu tun.
Das erkennt man auch, wenn man sieht, was geschieht, wenn Kinder sich nach dem baden eine trockene Badehose anziehen, um eine Weile an Land zu spielen. Sie ziehen sich einfach die nasse Badehose aus, ohne ihre Hüften dabei vor den möglichen Blicken Anderer zu verstecken.
Wenn man dann mit seinen Kindern dort badet, wo auch einige, wenn nicht alle nackt baden, dann ist es auch für Kinder in diesem Alter absolut kein Problem, auf die Badekleidung zu verzichten. Sie werden gar nicht überlegen, ob sie die Badehose oder den Badeanzug anziehen sollen oder nicht - sie werden es einfach nicht tun.

Gefährlich dagegen sind viele Vorurteile und Halbwahrheiten, die sich, von sogenannten Experten verbreitet, nach wie vor hartnäckig halten. Die nebenstehende Gegen­über­stellung, in der es um Nacktbaden geht (Quelle: Internet), wurde erstmals in der Zeitschrift "Eltern" in 1967 veröffentlicht.
Sie zeigt deutlich, dass durch Befolgung dieser schädlichen Grundsätze die Entwicklung von Kindern und die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit nachhaltig gestört werden kann.
Zur Richtigstellung erscheinen dabei zwei Anmerkungen erforderlich:
- unter 2. muss betont werden, dass Kindern sexuelle Spielereien von Natur aus völlig fremd sind. Wenn sie an den eigenen Geschlechtsteilen oder denen von anderen Kindern oder Erwachsenen herumspielen, dann tun sie das aus einem rein anatomischen Interesse heraus.
- unter 3. muss ergänzend gesagt werden, dass damit Genitalscham gemeint ist, nicht aber die angeborene, aber erst später entwickelte grundsätzliche Fähigkeit, Scham zu empfinden.
Der gesamte Artikel, zu dem die nebenstehende Gegenüberstellung gehört, ist z.B. auf dieser Seite des Symbioseweb nachzulesen.
 
Kindern steht es von Natur aus auch zu, Fragen zu stellen. Daraus ergibt sich für Eltern die natürliche Verpflichtung, die Fragen ihrer Kinder nach bestem Wissen zu beantworten.
Wenn Kinder z.B. getadelt werden, weil sie etwas getan haben, was sie nicht tun sollten, und dann fragen, warum das falsch war, dann ist die schlechteste Antwort, die Eltern in dieser Situation geben können: "Weil man das nicht tut," Daraus ergibt sich nämlich zwangsläufig die Frage des Kindes: "Warum tut man das denn nicht?"
Ich selbst bin als Kind oft in einer solchen Situation gewesen und fand es, um es noch harmlos auszudrücken, höchst unbefriedigend, wie meine Eltern damit umgegangen sind. So habe ich mir z.B. vor dem Abendessen, nachdem ich in meinem Zimmer gespielt hatte, nicht die Hände gewaschen. Warum auch? Ich konnte damals nicht erkennen, dass sie vielleicht schmutzig waren. Meine Eltern verlangten aber, dass ich die Hände wusch. Auf meine Frage, warum ich das tun sollte, kam die inakzeptable Antwort "Weil man das eben macht." Als ich nachfragte: "Warum denn? Die sind doch gar nicht dreckig." kam nur die Anweisung, endlich zu gehen und mir die Hände zu waschen.
In mir sträubte sich alles gegen diese Weigerung, meine Frage, die ich für durchaus berechtigt hielt, zu beantworten, denn ich hatte bereits sehr früh einen deutlich ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.
Inzwischen weiß ich natürlich längst, dass es hygienische Gründe sind, warum man sich vor dem Essen die Hände waschen soll. Doch damals war ich zwar intellektuell in der Lage, das zu begreifen, aber meine Eltern haben mir das in dieser Situation durch ihre absolutistische Vorgehensweise unmöglich gemacht. Wenn ich heute Kinder hätte, und sie würden mir eine solche Frage stellen, dann würde ich sie so beantworten, dass sie verstehen, worum es geht, und daraufhin von sich aus das tun, was ich von ihnen verlange. Und sie würden es tun, weil sie begriffen hätten, dass es für sie das Beste ist, nicht weil ich es verlange.