Definition

Was ist Scham?

Der Begriff der Scham (im Sinne von Schamgefühl) stammt laut Wikipedia ursprünglich vom germanischen "scamo", was etwa "Beschämung" oder "Schande" bedeutet. Gemeint ist dabei ein «Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das sowohl durch Verletzung der Intimsphäre auftreten als auch auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben. Das Schamgefühl ist häufig von vegetativen Erscheinungen wie Erröten oder Herzklopfen (Palpitation) begleitet und kann durch typische Reaktionen wie das Senken des Blickes ausgedrückt werden. Die Intensität der Empfindung reicht von der flüchtigen Anwandlung bis zur tiefsten Beklommenheit und geradezu tödlichen Scham.»

Es gibt also, um es etwas klarer auszudrücken, drei verschiedene Formen der Scham: durch schuldhaftes, erfolgloses oder sozial unerwartetes Handeln bedingte Scham (auch bekannt als Sozialscham), Körperscham und Genitalscham, wobei Genitalscham eine spezielle Form der Körperscham darstellt.
Sozialscham hat durchaus einen guten Zweck. Sie führt nämlich zu der Überzeugung, dass es besser ist, alles zu tun, damit sich das Verhalten, durch das die Scham ausgelöst wird, in Zukunft nicht wiederholt, um nicht wieder der Schande und / oder Strafe ausgesetzt zu sein, die als Konsequenz auf das schuldhafte, erfolglose oder unerwartete Verhalten folgt.
Ganz anders ist es mit der Körperscham und der Genitalscham. Meiner Überzeugung nach sind diese beiden Formen der Scham nicht nur absolut nutzlos, sondern sogar in den meisten Fällen schädlich. Außerdem widersprechen sie den Gesetzen der Natur.

Unabhängig davon, weshalb sich jemand schämt, ist Scham eines der stärksten Gefühle, zu denen Menschen in der Lage sind. Dies führt häufig dazu, dass jemand, der es nicht gelernt hat, mit seiner Scham sinnvoll umzugehen, depressiv oder krankhaft ängstlich wird (vor allem in Situationen, die mit der Scham auslösenden Situation vergleichbar sind) oder eine Vielzahl anderer psychischer Störungen entwickelt. Mehr dazu im Bereich Gesundheit.
Kurz gefasst kann man also sagen, dass viele Menschen bedingt durch die Erziehung, die sie erhalten (oft aber nicht genossen) haben, an verschiedenen krankhaften Ängsten leiden, wie z.B. Gymnophobie, also einer krankhaft übersteigerten Angst davor, andere Menschen zu sehen, die nackt sind, oder sich selbst anderen nackt zu zeigen.
 
Genauso unabhängig davon, wodurch sie ausgelöst wird, ist Scham in bestimmten Situationen nicht angeboren, sondern viel mehr anerzogen. Angeboren ist dabei nur die Fähigkeit an sich, Scham zu empfinden, nicht jedoch die Empfindung von Scham in der einen oder anderen bestimmten Situation. In gewissem Sinne ist das vergleichbar mit der Fähigkeit zu sprechen. Diese Fähigkeit ist ebenso angeboren, doch davon Gebrauch zu machen, das kann ein Baby erst lernen, wenn es ein bestimmtes Alter erreicht hat. Und dann kommt es auf die Erziehung an, was ein Baby oder Kleinkind lernt. Ob es z.B. das Gebäude, in dem es wohnt, ein Haus oder a house oder une maison nennt, das hängt davon ab, in welcher Kultur es erzogen wird. Und ob ein Kind es für normal oder ungehörig hält, beim baden in der Öffentlichkeit oder beim Aufenthalt im eigenen Haus / der eigenen Wohnung nackt oder bekleidet zu sein, das hängt genauso von der Erziehung ab.
Genauso kann Scham erst ab einem bestimmten Alter empfunden werden, da vorher die dafür erforderlichen Strukturen im Gehirn noch nicht ausgebildet sind. Die Empfindung von Scham auf Grund von schuldhaftem oder erfolglosem Handeln beginnt deshalb im Alter von etwa fünf oder sechs Jahren, während Körperscham und Genitalscham nicht vor dem Einsetzen der Pubertät, also einem Alter von etwa 12 bis 15 Jahren bei Jungen (bei Mädchen bis zu 2 Jahre früher), empfunden werden können.
Dabei bezieht sich Körperscham auf den Körper einer Person als Gesamtheit oder sogar auf die Person selbst, während Genitalscham sich nur auf die Geschlechtsteile und auf sexuelle Handlungen bezieht.
Genitalscham in einem sexuellen Zusammenhang zu empfinden, vor allem bei der Partnersuche, ist dabei natürlich, denn sie ist hilfreich bei der Wahl eines Sexualpartners. Sie führt nämlich dazu, dass man es vermeidet, den falschen Leuten gegenüber sexuell attraktiv zu erscheinen. Innerhalb der Familie ist sie jedoch nicht nur zwecklos, sondern sogar schädlich, denn sie stört das Urvertrauen, das Kinder von Geburt an ihren Eltern und älteren Geschwistern gegenüber haben. Dieses Urvertrauen verbietet schon den Sex innerhalb der Familie, womit jegliche Körperscham oder Sexualscham innerhalb der Familie unbegründet ist.