Kinder bis 5 Jahre Kinder 6 - 11 Jahre Jugendliche (12 - 19 Jahre) Erwachsene
zu Hause beim Camping / baden Rad fahren / wandern usw. Die lieben Nachbarn

Beim Camping oder baden

Beim Camping gilt im eigenen Zelt oder Wohnwagen das, was auch zu Hause gilt: Scham ist nur ein Hindernis für die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, ohne dabei irgend einen Nutzen zu haben. Es wäre also ein Fehler, im Zusammenhang mit der eigenen Nacktheit oder der Anderer Scham zu empfinden.
Beim Aufenthalt auf dem Campingplatz und beim baden (im Freibad, am Badesee oder am Strand) befindet man sich auf einem bestimmten Gelände, das man zu einem bestimmten Zweck aufsucht. Dort gelten also andere Regeln als sonst irgendwo in der Öffentlichkeit. Und zu diesen Regeln gehört es, dass Nacktheit, so lange sie nicht mit Sex im Zusammenhang steht, keinen Grund für Scham darstellt.
 
Davon abgesehen macht Nacktheit das Leben auch sehr viel angenehmer. Und das beginnt schon morgens beim aufstehen. Man muss, wenn man sich waschen will, nicht erst den Schlafanzug oder das Nachthemd ausziehen, und wenn man fertig ist, braucht niemand zu überlegen, was er anziehen möchte. Auch die leidige Sucherei in Koffern oder Taschen, um die gewünschte Kleidung dann zu finden, entfällt natürlich. Man kann sich statt dessen sofort an den Frühstückstisch setzen.
Und wenn man beim Frühstück etwas verkleckert, dann ist auch das absolut kein Problem. Man nimmt einfach einen Waschlappen und putzt sich den Kaffee, die Marmelade oder was auch immer ab. Ein Hemd hätte man statt dessen mit viel Zeitaufwand waschen müssen.
Auch das Thema Wäsche waschen (in den meisten Fällen von Hand, denn Waschmaschinen stehen längst nicht auf jedem Campingplatz zur Verfügung), trocknen und bügeln erübrigt sich also in diesem Zusammenhang, was vor allem die Hausfrauen und -männer  unter den Nudisten und Naturisten freuen dürfte.
 
Und es geht noch weiter. Wenn man nämlich baden möchte, dann kann die leidige Neid-Debatte darüber, dass jemand eine schönere Badehose oder einen schöneren Bikini hat als man selbst, erst gar nicht entstehen. Denn alle tragen ja die gleiche Badekleidung, die noch dazu die beste Badekleidung ist, die es jemals gegeben hat: nur die eigene unbekleidete Haut.
 
Wenn man dann sein Mittag- oder Abendessen auf dem Grill liegen hat, dann ist es allerdings oft besser, sich eine Schürze anzuziehen, damit man keine Fettspritzer abbekommt. Denn auf der nackten Haut sind sie sehr schmerzhaft und unangenehm.
Abgesehen davon dient Kleidung beim Camping oder baden nur dem Schutz vor Verletzungen und vor unangenehmem Wetter wie z.B. Gewitter. Deshalb sind Schuhe, wenn man sich auf einem steinigen Untergrund bewegt, oder beim Sport, sowie ein Sport-BH bei Frauen, wenn sie Sport treiben, völlig akzeptabel.
 
Auch im Hinblick auf gesundheitliche Gefahren ist es wesentlich zweckmäßiger, auf einem Campingplatz nackt zu sein, denn wenn man z.B. an Zecken denkt, die in manchen Gegenden gefährliche Krankheiten übertragen können, dann leuchtet es wohl jedem ein, dass man Zecken, die auf der nackten Haut sitzen, wesentlich leichter findet als wenn sie unter der Kleidung herumkriechen würden.
Wo Zecken gefährlich sein können, das kann man hier nachlesen. Die Karte zeigt in rot Gebiete, in denen wegen häufiger Erkrankungen an FSME eine Impfung durch das Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlen wird, und in gelb Gebiete, in denen es zu einzelnen Erkrankungen gekommen ist, weshalb das RKI dort keine Impfempfehlung ausspricht.
Eine andere Krankheit, die von Zecken übertragen werden kann, ist die Borreliose. Dazu gibt es keine Karte, weil etwa ein Viertel aller Zecken in Deutschland Überträger dieser Krankheit sind, ohne dass es dabei deutliche regionale Unterschiede gibt.

Andere Länder, andere Sitten

Während es in Ländern wie Dänemark normal ist, dass man abgesehen von ein paar Ausnahmen, die auch deutlich gekennzeichnet sind, überall am Strand nackt badet, ist genau das in den USA z. B. heutzutage undenkbar, obwohl es auch dort bis Mitte der 1970er Jahre vollkommen normal war, dass vor allem Jungen, wenn sie unter sich waren, an Flüssen oder Seen nackt badeten. Als Beispiel dafür mag der Anfang des Disney-Films Polyanna (1960) gelten, der zeigt, dass einige Jungen am Rand einer Kleinstadt nackt im Fluss baden. Und auch beim YMCA und an Highschools war es durchaus üblich, dass nackt gebadet wurde, was z.B. in dieser dreiteiligen Dokumentation (leider nur in englisch) deutlich gezeigt wird. In den USA ist gleichzeitig die Zahl der Teenager-Schwangerschaften und der sexuell motivierten Straftaten an Kindern seit damals (Mitte der 70er Jahre) wesentlich höher als vorher, und auch wesentlich höher als in Ländern, die eine wesentlich freizügigere Einstellung zur Nacktheit haben, wie z. B. Dänemark oder Frankreich.
Die einzig logische Schlussfolgerung daraus ist die, dass es für die Entwicklung eines Kindes zu einem sexuell selbstbestimmten Jugendlichen und später Erwachsenen sehr förderlich ist, wenn Kinder so oft wie möglich ohne falsche, auf ihren Körper oder ihre Genitalien bezogene Scham nackt sind und mit anderen Nackten jeden Alters zusammen kommen. Denn so (und nur so!) lernen sie einen unbefangenen Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Sexualität und akzeptieren sich genau so, wie sie sind, nämlich schön.
Dieser unbefangene Umgang führt dazu, auch das ist durch viele Studien belegt, dass Mädchen, die ohne falsche Scham aufwachsen, wesentlich seltener und später bereits im jugendlichen Alter schwanger werden als Mädchen, in deren Erziehung alles, was mit Sex und Nacktheit in irgend einem Zusammenhang steht, tabuisiert wird oder wurde.
 
In der DDR war es jahrzehntelang üblich, nachdem dort in der Mitte der 50er Jahre das Verbot des Nacktbadens aufgehoben wurde, dass an vielen Stränden der Ostsee, und nicht nur dort, nackt gebadet wurde und auch bei vielen anderen Gelegenheiten Nacktheit als völlig unproblematisch angesehen wurde. In Westdeutschland, also in der BRD in den Grenzen von 1949, sah das deutlich anders aus.
Nach der Wiedervereinigung wurden die östlichen Bundesländer regelrecht von den "Wessis" erobert, was die Einstellung zur Nacktheit betrifft. So wurden die Strände an der Ostsee von westdeutschen Touristen regelrecht überrannt. Und diese Touristen brachten natürlich auch ihre Moralvorstellungen mit, was dazu führte, dass innerhalb weniger Jahre kaum ein Strand übrig blieb, an dem es möglich war, frei und ungezwungen, auch unbekleidet, zu baden.
Schade! Ich hätte mir sehr gewünscht, dass die Entwicklung genau die umgekehrte Richtung genommen hätte.